fbpx

Wut und Aggression – Die tief missverstandene Emotion

23. August 2021
Posted in Blog
23. August 2021 Silvan

Wut und Aggression – Die tief missverstandene Emotion

Dir fällt was auf den Fuss, du wirst wütend. Dein Partner räumt den Geschirrspüler nicht aus, du wirst wütend. Die Welt ist nicht so öko, wie ich das gerne hätte; ich werde wütend.

Wir alle kennen Wut sehr gut in unserem Leben. Wer sagt, er kenne keine Wut oder Aggression, lügt, belügt sich oder hat es schlicht noch nicht an sich entdeckt. Jeder hat diese Grundemotion in sich. Ob wir es erkennen oder nicht.

Jeder natürlich auf seine Art und Weise. Nicht alle werfen beim ersten Anflug von Ärger die Tasse durch die Wohnung. Aber jeder hat sich schon mal genervt ab dem Sonntagsfahrer vor sich oder dergleichen.

Du findest das sei keine Wut? Dann stell dir mal vor deine Taten hätten keinerlei Konsequenzen und du könntest in so einem Moment alles rauslassen, was du willst. Ganz frei. Ohne Schuld und Scham.

Würdest du dann nicht dem Fahrer vor dir ins Ohr schreien oder ihn aus der Fahrbahn crashen oder ihm eine an der Hinterkopf verpassen?

Auch wenns keins von diesen dreien ist. Wir alle würden ausfälliger reagieren, wenn wir «dürften». Aber wir dürfen halt nicht. Weil die Erziehung oft «ganze Arbeit» geleistet hat.

Jeder kennt Wut

So sehr, dass wir diese Regeln, Ermahnungen und Schelten in uns integriert haben und uns nun selbst knebeln und davon abhalten.

Klar, hat das auch seine Vorteile. Dass wir anderen nicht sofort die Faust geben, wenn uns etwas stört. Passt ja auch so weit.

Das Problem ist nur, dass wir dann geneigt sind, grundlegend jede Form von Wut und Aggression zu unterdrücken und zu verteufeln.

Jeder Anflug von Ärger wird dann sofort in die Gewalt-Liga eingestuft und damit als nicht gesellschaftsfähig oder sogar gemeingefährlich wahrgenommen.

Dadurch machen wir aus etwas Grundmenschlichem etwas bestialisches und unmenschliches. Einfach so. Weil wir es nicht anders gelernt haben.

Und wir alle wissen, was Feindbilder mit uns machen können. Es fing mit den Schwarzen dazumal an, die wir versklavten. Und das ging nur, weil den Menschen gesagt wurde, dass das «eh nur Tiere seien».

Weiter gings mit den Juden, die nicht Arier waren und darum auch keine wirklichen Menschen, sondern abartig.

(Man verzeihe mir hier diese Ausführungen. Dieser Fingerzeig ist jedoch wichtig.)

Anders als über ein solches Feindbild hätten wir uns nie erlaubt, eine ganze Menschengruppe einfach so zu diskriminieren und zu verteufeln.

 

«Kein Krieg kann geführt werden, ohne dass man den Feind in den Träger eine Schattenprojektion verwandelt.»
– Erich Neumann

(Auch ein innerer Krieg)

 

Wenn wir also aus etwas ganz normalem ein Feindbild machen, sind wir bereit allerlei darüber zu glauben und unsere Wahrnehmung zu verdrehen.

Gerade heute darf man auch wieder achtsam werden, wo wir bereit sind in solche Feindbilder unreflektiert und undifferenziert einzusteigen.

Feindbilder - Wut

Und genau das passierte mit der Wut, aber auch mit vielen anderen Gefühlen und Emotionen. Trauer, Angst, Verzweiflung, Abscheu, Ekel sind da keine Ausnahme.

 

Alle diese Emotionen haben ihren ureigenen sinnvollen Zweck:

Wie sollen wir ohne Ekel wissen, dass etwas unbekömmlich für unseren Körper ist und wir es nicht essen sollten?

Wie sollen wir ohne Verzweiflung wissen, dass wir in einer Sackgasse stecken im Leben und uns neu ausrichten müssen?

Wie sollen wir ohne Abscheu wissen, dass wir wieder vor demselben Fehler stehen und uns jetzt neu entscheiden sollten, anstatt wieder den alten Fehler zu machen?

 

Du siehst also, wie immer hat alles seine erlöste und unerlöste Seite. Die unerlöste Form kommt dann ins Spiel, wenn wir die erlöste Form nicht gelehrt bekommen haben. Und das Feindbild ist etabliert.

Was ist also die erlöste Form von Wut und Aggression?

Wie wärs mit Mut? Entscheidungskraft? Initiativkraft? Pioniergeist? Nein-Sagen können? Gesunde Notwehr? Konfliktlösung? Gesunde Streitkultur? Usw.

Alles, was uns Antrieb verschafft, um etwas anzupacken, kann in diese Richtung verstanden werden. Ohne diesen Schub, wären nicht in der Lage überhaupt irgendetwas zu schaffen.

Wut, Krieg, Aggression & Mythologie

Eine holistisch, ganzheitlich verstandene Mythologie zeigt, dass alles seinen Platz hat. Sogar der Krieg – in sinnbildlicher Form.

Das heisst nicht, dass Krieg in Realität unvermeidbar ist. Im Gegenteil. Aber die Symbolik und Sinnbilder weisen in dieser Sprache auf das Urprinzip der Aggression hin.

Ist doch auch interessant, dass wir eigentlich alle irgendwie gegen Krieg sind, aber uns dann zuhause vor der Glotze die brutalste Scheisse reinziehen und den Zusammenhang nicht sehen können.

Nochmals; Das Feindbild ist immer Träger der eigenen Schattenprojektion. Dass da noch ein Wut-Thema in einem vorhanden ist, zeigt dieser Hang zum Konsum von (hoch-)aggressiven Inhalten.

Ich habe es selbst gemerkt; je mehr ich meine Wut in der Schattenarbeit angeschaut habe, desto weniger hat es mich zu Brutalität und Gewalt hingezogen. Es stösst mich mittlerweile eher ab.

Paradoxerweise müssen wir uns jedoch durch den Prozess die Wut und Gewaltfantasien eingestehen und in einem geschützten Rahmen damit arbeiten und sie anerkennen.

In eben diesem Wissen, dass das Urprinzip dasselbe ist und seine erlöste Form in sich trägt. Aber das ist alles Gegenstand der Therapie und Prozessarbeit und würde hier zu tief gehen.

Die alten Geschichten und Mythen haben aber diese Tatsache wunderbar verstanden und wurden deswegen auch genau unverblümt überliefert.

Mars (oder Ares) als Kriegsgott ist also keine gewaltverherrlichende Gestalt, wie man sie ganz platt und einseitig verstehen könnte, nein. Er verkörpert das ganze Spektrum dieses Urprinzips.

Ares Kriegsgott - Wut

Wut, Mut, Zorn, Pioniergeist, Hass, anpacken, angreifen, laut sein, brüllen, befehlen, anführen, vorpreschen, Direktheit, Spontanität, eingreifen etc.

Ebenso ist auch der Zerstörer oder Krieger als Archetyp schnell missverstanden. Der Krieger als marsischer Archetyp und der Zerstörer als plutonisch-neptunischer.

Denn das Zerstörungs-Prinzip ist ein urnatürliches. Alles wird mit der Zeit aufgelöst und neu geboren. Die Blätter fallen im Herbst und werden von Käfern «zerstört». Sie leben davon.

Hier könnte man sich wiederum fragen in Sachen Symbolik; Warum so viele Angst oder Ekel gegenüber Insekten empfinden. Welches Urprinzip diese wohl verkörpern?

Auch in der Veda und dem Hinduismus gibt es den Gott Shiva und die Göttin Kali. Sie repräsentieren die Zerstörung und Auflösung im kosmisch-universalen Sinne.

Sie zeigen, dass wir im Leben nicht an diesem Urprinzip vorbei kommen. Jede Minute werden abertausende Zellen im Körper zerstört, aufgelöst und ausgeschieden. Ohne dass wir das wirklich mitbekommen.

Es ist also eine unumgängliche Realität.

Das Problem ist wahrscheinlich, dass wir nur aufgeladen sind mit inneren Bilder und Eindrücken, die uns die unerlöste Form dieser Wahrheit aufzeigen.

 

Mach den Test:

Was ist das erste innere Bild, das du hast, wenn du Zerstörung hörst oder Aggression?

 

Wahrscheinlich nicht eins der erlösten, die ich vorher aufgezählt habe oder? So sehr sind wir einseitig geprägt. Du siehst, dass wir da uns gut und gerne auch anders «aufladen» und prägen dürfen.

Es kommt schlussendlich darauf zurück, wie wir leben, was wir uns zuführen und konsumieren, wie wir mit uns selbst arbeiten. Im Sinne der Schattenarbeit z.B.

Dies wird darüber entscheiden, welches Bild in uns aufsteigt und wir mit unserem Zorn und unserer Wut umgehen im Alltag. Ob wir die Aggression mit einem freudigen Auge betrachten können.

Meine Wut und Aggression

Ich habe dieses Thema nicht umsonst gewählt. Denn ich war ein Meister in Sachen Wut. Vorallem unterdrückter Wut.

Zuhause haben wir eher wenig über den Umgang mit Emotionen gelernt. Wer hat das schon… Und später in der Jugend und in der Lehre wurde es nicht unbedingt besser.

Kein Wunder also, dass ich der Jugend mit gewaltbereiten «Kumpels» abgehangen war und in der Lehre einen cholerischen Chef an Land gezogen hatte.

Resonanzgesetz und so. Wir ziehen eben nicht einfach nur das in unser Leben, was wir uns gaanz fest wünschen, sondern vor Allem auch, was wir noch nicht erlöst und gelernt haben.

Ergo; habe ich mir unbewusst und unterbewusst Menschen ins Leben geholt, die mir eben diesen Umstand aufzeigen konnten. Aber dieses Prinzip gehört ja nun leider nicht gerade zum Schulstoff.

Also musste ich erst einmal eine ganze Weile so damit klar kommen und meine frühkindliche Überlebensstrategie anwenden; Verkriechen, Runterschlucken, für mich Gähren.

Dass ich fast nur Entzündungskrankheiten in meinem Leben kenne, macht damit also auch viel Sinn. (siehe Seelensymbolik und Krankheitsdeutung)

Zum Glück aber hatte ich dann die Chance wahrgenommen, in die Schauspielschule zu gehen und dort mich meinem Ausdruck zu widmen. Auch von der Wut.

Und da gings dann richtig ab..! Du kannst dir nicht vorstellen, was da an Wut und Aggression zum Vorschein kam. Auch gegen Menschen gerichtet, die es scheinbar gar nicht «verdient» hatten.

Aber die Magie des geschützten Raums und Rahmens machte es möglich, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben das alles rauslassen konnte und es nicht beschämt und verboten wurde.

Plötzlich wurde ich auch total anders wahrgenommen und tatsächlich teils auch als arrogant gesehen. Warum? Weil man mich vorher nur als den netten und freundlichen Silvan kannte.

Und nun sagte ich plötzlich direkt und frei heraus, was ich dachte, fühlte und fand. Womöglich manchmal auch zu direkt, haha. Was mir dann wohl diesen Eindruck von mir bescherte.

Für mich war es einfach nur befreiend. Und das ist die wahre Magie des kreativen Ausdrucks für die Entwicklung oder eben die Schattenarbeit. Denn in der Kunst ist «alles erlaubt».

Farbbällchen aus der Muschi rausdrücken? Geht ja gar nicht! In der Kunst? Kein Problem.

Über Geschmack lässt sich da natürlich wieder streiten und auch nach sinnhafter Kunst, aber für den Künstler als Akt der Befreiung ist das eine ganz andere Dimension.

Und so half mir die Kunst auch diesen Befreiungsschlag zu vollziehen und zu erkennen, dass meine Gefühle und Emotionen völlig in Ordnung und ok sind. Ja sogar sinnvoll und nützlich sind!

Natürlich sind Emotionen und Gefühle im Beruf da nochmals was anderes als im Privaten. Aber lieber geht man sie überhaupt mal an, als sie im Bunker verrotten zu lassen.

Der Weg mit meiner Wut war aber noch lange nicht abgeschlossen und ist es heute 10 Jahre später auch noch nicht. Es wird für mich immer eine Art Aufgabe bleiben, damit einen lohnenden Umgang zu finden.

In der Schattenarbeit habe ich dann nochmals ganz andere Ebenen und Tiefen entdeckt, die ich vorher als «gar nicht so schlimm» erachtet hatte.

«Das ist ja schon lange vorbei. Kratzt mich nicht mehr. Alles gegessen.» Denkste…

Je tiefer wir mit einem Thema gehen, desto mehr kommt zu Tage. Schatten aber auch Potenzial!

Je tiefer der Schatten, desto grösser der Schatz.

Und so komme ich Tag für Tag immer mehr in meine passende Direktheit, meinen dienlichen Pioniergeist, in meine gesunde Abgrenzung, in mein ermächtigendes lautes Gebrüll.

Was tun mit Wut?

Was kann man also tun, wenn die Wut zu Zorn, Hass und Raserei wird? Wie kann man sie nun rauslassen und davon profitieren? Wie kann man mit Wut und Aggression umgehen?

Lass uns da verschiedene Ebenen anschauen. Solche die eher an der Oberfläche sind und natürlich sind und solche, die sich mit Traumas, Prägung und Schattenthemen beschäftigen.

Denn wie gesagt ist Wut etwas normales, wahrscheinlich sogar alltägliches. Sie kommt und geht. Es nervt etwas und dann auch wieder nicht mehr. Wie eine Welle, die sich aufbaut und wieder abbaut.

Traumaforscher wie Peter Levine sagen, dass Trauma und vergleichbares nur entsteht, wenn (emotionale) Energie nicht fliessen kann/konnte und deswegen im Körper und im ganzen eigenen «System» festhängt.

E-motion ist im englischen somit als Gleichnis: Energie in Bewegung (Energy in Motion).

Deswegen ist das Prinzip der Emotion und damit auch der Wut relativ simpel:

 

Lass sie einfach fliessen.

 

Und natürlich ist das einfacher gesagt als getan. Darum thematisieren wir das auch hier.

 

Wichtig hier wieder:

Wut ist ein Spektrum!

 

Ich kann Wut fliessen lassen, indem ich schreie, schlage, stossatme, schnaube, knurre, etwas zerbreche/zerreisse, lauter werde, Sport mache, etwas rumschmeisse etc.

Und das auch in unterschiedlicher Intensität und Dauer logischerweise. Es gibt da keinen pauschal richtigen Massstab. Es ist für jede/n anders. Probiers aus. Mach deinen Mix. Deine Form.

Lass uns das genauer anschauen.

 

Obere Ebenen: Alltag und «Normales Leben»

Folgendes Szenario:

Du kommst von einem stressigen Arbeitstag nach Hause und bist total geladen, weil du wieder zu viel zu tun hattest, dein Chef unverständnisvoll war, deine Mitarbeiter dir nicht geholfen haben etc.

Geladen sein klingt ja schonmal nach Spannung und Überspannung. Nach Energie. Gestauter Energie. Einverstanden? Also womöglich angestaute Emotionen.

Zu viel zu tun hatte hiesse dann übersetzt; Ich konnte nicht für mich einstehen, dass ich eigentlich nicht mit dieser Menge oder Art an Arbeit klar komme. Konnte es jedoch niemandem sagen, darum bin ich wütend (auf…?).

Chef unverständnisvoll war heisst soviel wie; Ich kann mit meinem Chef nicht reden, ihm nicht die Stirn bieten oder dafür einstehen, was ich will und brauche von ihm oder allgemein.

Mitarbeiter nicht geholfen haben wäre dann wohl; Ich konnte mich nicht dazu durchringen, die anderen um Hilfe zu bitten.

 

Macht das Sinn? Kann auch natürlich etwas anders sein. Aber ziemlich sicher geht’s in eine solche Richtung.

Alles angestaute und ungenutzte Wut sehen wir da. All das hätte mit erlöster Wut geklärt oder zumindest angegangen werden können.

Natürlich hätte man dann nicht gewusst, was dabei rauskommt, aber nerven und aufregen tuts einen ja sowieso. Aber warum nicht gleich angehen.

Aber da kommen wir eigentlich fast schon wieder einem möglichen Schattenthema auf die Spur, was dann tieferen Ebenen entspräche. Also bleiben wir beim Alltag.

Du bist also nun zu Hause und geladen. Weil all das aufgestaut wurde. Was kannst du also tun?

 

Finde ein Ventil für die Ladung und Energie.

 

All das oben genannte kann dafür gut sein. Sport machen. Schütteln. Schreien. Etc.

Weniger zu empfehlen, ausser es ist abgesprochen so; Es am Partner oder anderen (unbewusst) auslassen. Du nutzt dann die Wut eigentlich am falschen Ort damit.

Die Wut wollte ja auf der Arbeit rauskommen, dort wäre sie in passender Form gefragt gewesen. Nicht zu hause (unbedingt). Zumindest in diesem Beispiel.

Also suchst du dir entweder ein Ventil, um sie wieder rauszulassen für dich oder du setzt sie dort ein, wo sie auftritt und aufsteigt.

Dann findest du mehr und mehr einen gesunden und dir dienlichen Umgang damit. Denn wenn die Ladung erst einmal raus ist, kannst du auch eher wieder konstruktiv streiten und Lösungen finden.

Wenn du absolut geladen und wütend bist im ultraaktiven Zustand, kommt selten etwas konstruktives dabei raus. Dann ist es einfach erst einmal rauslassen. Abbauen.

Wenn wir uns das erlauben und im besten Falle ein Ventil für uns gewinnen, dann merken und fühlen wir die Dynamik der Gefühle und Emotionen wie eben Wut und Aggression am eigenen Leib.

Dann merkst du, dass es tatsächlich einfach Energie ist, die genutzt werden will. Sie kommt ganz von alleine. Ist doch nice! Einfach so bekommen wir Energie.

Und hier sind wir noch nicht bei der Deutungsebene und dem symbolischen Charakter von Emotionen und Gefühlen, wie sie auf Schatten verweisen könnten.

Denn sie können auch eine Botschaft haben. Wie vorher kurz erläutert den Aussagen über die Arbeitssituation.

 

Der alltägliche Umgang mit Wut und Aggression wäre also:
  1. Sich einen sicheren Raum/Ort für sich schaffen
  2. Passendes Ventil finden
  3. Zeitfenster definieren
  4. Die angestaute Wut über das Ventil ablassen
  5. Optional: Reflektieren darüber, woher sie kam und warum

 

Damit es nicht zu einem Exzess ausartet, würde ich auch ein Zeitfenster definieren. Denn Wut ist eine heftige Emotion und kann dazu verleiten, auszuarten.

Und dann zieht sie uns mehr Energie, als wir eigentlich nur abbauen wollten. Dann drücken wir nicht nur das angestaute Wasser aus dem Schlauch, sondern drücken jeden letzten Tropfen raus. Was eher unnötig und energieraubend wird.

Also lieber einfach mal 1-10min mal soviel rauslassen, wie es grad geht und dann nachspüren. Irgendwann bekommst du ein Gespür dafür, wo der Punkt ist, wo es genug ist.

Und bitte: Lass niemand anderes für deine Wut leiden!

Gewöhn dir an, dass du das in erster Linie mit dir ausmachst, oder jemanden findest, der das klar und geklärt mit dir macht. Dann ist die Wut auch richtig contained (engl. «im Rahmen»).

 

Tiefere Ebenen: Schatten und Trauma

Wenn du Situationen erlebst, wo du vor Wut explodierst oder implodierst und davon vereinnahmt und gesteuert wirst, dann dürfte es im mindesten ein Schattenthema sein oder sogar ein Trauma.

Und hier sei gesagt, dass das etwas absolut normales ist. JEDER hat Schatten und Traumas. Auch Trauma ist ein Spektrum und ist nicht einfach nur Schock-Trauma oder Unfalls-Trauma.

Man kann auch ganz subtil und perfide schleichend traumatisiert und retraumatisiert werden. Das kann dann ebenso tief und eklig werden, wie ein Schocktrauma.

Ich dachte auch mal, ich hätte keine Traumas. Weit gefehlt. Bei mir waren einfach viel eher von der subtilen oder unscheinbaren Sorte. Vorallem sich wiederholende Szenarien gab es viele.

Wie schon erwähnt, wurde ich sehr oft mit Wut konfrontiert und damit hat sich das Thema auch weiter vertieft, weil ich keinen guten Umgang damit gefunden hatte.

Ein Lebensthema aus karmischer Sicht oder durch Familienthemen, Epigenetik usw. kann sich je nach Lebenserfahrungen gut und gerne in einen Schatten verwandeln oder in ein Trauma.

Jeder kennt solche «schwierigen Themen» aus der Familie. Auch die, die finden, sie hätten eine tolle Kindheit gehabt. Ist wahrscheinlich einfach tiefer vergraben.

Wenn wir beispielsweise denken, Wut sei kein Thema, man aber ständig Entzündungskrankheiten hat und mit gewalttätigen und übergriffigen Menschen zu tun hat, dann ist symbolisch ersichtlich, dass es ein Thema ist.

Es liegt einfach nur tief im Schatten vergraben. Gerade wenn wir Aggression in uns selbst nicht kennen, wird uns das Leben umso heftiger damit konfrontieren nach meiner Erfahrung.

Warum? Damit wir die erlöste Form davon integrieren lernen. Nochmals; ohne Aggression kein anpacken, kein Umbruch, kein Vorstoss in neue Erfahrungen.

Dann sind wir womöglich sehr ohnmächtige Spielbälle von anderen und unseren Umständen. Oder fühlen uns zumindest so.

 

Das Leben ist immer für dich!

 

Das wäre eine klassische gehemmte Wut. Das Prinzip der Aggression ist in der Hemmung.

Der Weg da raus wäre einerseits, die alten Traumas und Prägungen aufzuarbeiten und zu erlösen, damit man nicht darin gefangen bleibt.

Andererseits die Wut im Leben zu initiieren. Sie anzugehen, zu entfachen, zu entdecken. So wie es gerade möglich ist. Wie gesagt; das kann im Kleinen anfangen.

Womöglich geht man dann vorübergehend – wie ich in der Schauspielschule – einen Weg der Überkompensation für eine Weile, damit man am anderen Extrem auch mal geschnuppert hat.

Sodass man dann zwischen zwei Extremen – Ohnmacht und Übermacht – seine eigene passende und erlöste Form finden kann.

 

 

Das wäre nun mal dieses Riesenthema der Wut umrissen. Natürlich gäbe es noch viel mehr darüber zu sagen und zu differenzieren. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Denn Wut und Aggression ist ein kollektives Schattenthema par excellence. Nebst Sexualität und Macht. Wenn es das nicht wäre, gäbe es keine Kriege. Und keine gelebte Brutalität.

 

Weiter mit dem Thema kanns gehen:

Wie immer steht es in deiner Macht, das zu finden, was dir entspricht. Es lohnt sich für JEDEN Wut anzuschauen. Eben weil es kollektiv so sehr im Schatten liegt.

Ich würde mich jedenfalls freuen mit dir eine Entwicklung zu erleben an deiner Wut. Es kann ein echter Boost sein.

Meld dich gerne, wenn du Fragen dazu hast oder zu einem möglichen Angebot davon. Oder stelle sie in einem der Live’s auf Instagram.

 

Direkte Grüsse

Silvan

, , , ,
%d Bloggern gefällt das: