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Wahrheit vs. Ehrlichkeit


Die folgende Auseinandersetzung ist sehr subtil und vielleicht für manche sogar kleinlich, aber für mich besteht doch eine relativ klare Differenzierung der beiden Begriffe bzw. was man darunter versteht. (Natürlich immer von der Verwendung abhängig)

Wie ich im Blog „Ehrlich währt am längsten“ schon bemerkt habe, ist Ehrlichkeit wohl eine der wichtigsten Tugenden, an welchen man arbeiten kann.

Nicht aus irgendwelcher moralischer Prinzipienreiterei, sondern aus ganz praktischer, ja sogar logischer Sicht.

Ehrlich wäre, wenn man alte Freunde ohne Umschweife respektvoll aber bestimmt gehen lässt, weil man sich zu sehr auseinandergelebt hat.
Ehrlich wäre, wenn man die Sauferei endlich sein lässt, weil man es sich selbst schon so lange sagt und vielleicht sogar verspricht, aber nie einhält.
Ehrlich wäre, wenn man dem Kerl mitteilt, dass man eigentlich nicht auf Blasen steht, auch wenn das bedeutet, dass man nur noch wenige Männer mit Verständnis dafür gewinnen kann.

Warum aber sollte man sich so viel „Schwierigkeiten“ antun?
Nun, wie im anderen Blog schon erwähnt:
Der Garten jätet sich dann von selbst.

Das heisst, dass alles, was nicht zu einem gehört sich selbst entfernt oder gar nicht erst aufkreuzt. Das kann erstmal einiges an Angst vor Einsamkeit auslösen, aber du wirst sehen, dadurch dass man vielleicht nur noch wenige Freunde hat, kann man diese Freundschaften eher vertiefen und mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge einsetzen. Schlussendlich wird man sich also ziemlich sicher besser und weniger einsam fühlen als vorher.

Das Unkraut verschwindet also von alleine. Und das einfach nur, weil du ehrlich mit dir selbst und mit anderen bist.

Warum steht das nun aber entgegen „der Wahrheit“?

Nun, das tut es eigentlich nicht.
Das (mögliche) Problem mit dem Begriff der Wahrheit ist, dass es vielmehr ein kollektiver Begriff ist als Ehrlichkeit. Heisst: man hat in der heutigen Zeit das Gefühl, es gäbe im Kollektiv nur eine Wahrheit und diese ist mit moralischen Vorstellungen vollgepackt.

Ehrlichkeit hingegen ist einfacher, logischer und persönlicher. Entweder man ist ehrlich oder man lügt. Es gibt praktisch nichts dazwischen. Höchstens vielleicht Notlügen, um andere nicht (noch mehr) zu verletzen, was aber für mich ebenfalls nur eine Scheinlösung ist. Aber in der Not vielleicht doch eine mögliche Zwischenlösung.

„Die Wahrheit“ hingegen ist mit viel subjektiver Empfindung aufgeladen. Und wie gesagt, die eigenen Moralvorstellungen sind dabei wohl am schwierigsten. Denn dann geht es sehr schnell nur noch darum wer „recht“ hat.

Wenn jemand sagt: „Es ist die Wahrheit!“, will das eigentlich eher heissen:
Es ist seine/ihre Wahrheit.
Das hat nicht viel bis gar nichts mit einer universellen Wahrheit zu tun.

Die einzige universelle Wahrheit ist wohl, dass es verschiedene subjektive Wahrheiten gibt, aber keine allgemeingültige.

Nun werden natürlich physikkundige Menschen aufschreien und mir widersprechen. Die Gravitation u.A. sei nicht subjektiv, sondern Fakt.
Natürlich stimme ich grösstenteils überein mit diesem Argument. Wir alle können diese Gravitation erfahren.

Was aber sagt man einem halluzinierenden Menschen, der gerade erlebt, dass er fliegt? Ich kann ihm noch so sehr an die Birne schreien, dass er das nicht kann. Für ihn ist es in diesem Moment gerade „die Wahrheit“. Er erlebt es. Auch wenn es „nicht geht“.

Das Konzept der „ultimativen Subjektivität“ ist nichts neues und beschäftigte Philosophen seit jeher. Wenn es keinen Beobachter gibt, ist der Mond dann trotzdem da?

Das klingt erst einmal nach einer unsinnigen Frage. Doch nehmen wir an es gäbe im ganzen Universum nur einen Menschen. Nur er kennt das Universum und kann es als solches erleben. Wenn er die Augen schliesst, sieht niemand anders mehr, was es im Universum gibt, nur er (oder sie, um Gender-Diskussionen zu vermeiden ;) ), wenn er die Augen wieder öffnet. Wenn also dieser eine Mensch stirbt, was passiert nachher? Es gibt kein Gehirn mehr, das die vielen Impulse aus 5 Sinnen erlebbar machen kann. Und wie wir wissen, wandelt das Gehirn effektiv nur elektrische Impulse zu wahrnehmbaren Eindrücken um.

Die Frage ist also durchaus berechtigt, ob es die Welt tatsächlich so gibt, wie sie ist. Natürlich wird es weiterhin alle diese Energien geben, die sich in physische Manifestationen umwandeln lassen würden, aber wer übersetzt diese Energien in Bilder, Töne und Berührungen? Es ist kein Interpret mehr da.
 
 

 
 
Aber verlassen wir nun dieses komplexere Gedankenmuster und widmen uns wieder der Wahrheit.

Was ich eigentlich damit sagen will: Jeder macht eigene Erfahrungen mit den elektrischen Impulsen, die wir Erde und Leben nennen. Der eine mag Tomaten, der andere nicht. Die eine mag Filme, die andere Bücher. Ihr seht wo das hinführt.

Das Leben ist subjektiv, individuell. Jeder hat seine eigene Wahrheit, sein eigenes erleben der „Wahrheit“.

Also ist „die Wahrheit“ am ehesten eine Energie-Suppe, aus welcher sich unzählige Subjektiv-Wahrheiten extrahieren lassen. Jeder hat somit gleichzeitig recht und unrecht. Jeder hat für seine Wahrheit recht und für jede fremde Wahrheit unrecht.

Somit wäre als Leitfaden in dieser Diskussion die einfachere Frage:
War/bin ich ehrlich?

Anstatt zu fragen:
Was ist die Wahrheit?

Denn an der Frage „Was ist die Wahrheit?“ hängt, wie wir gesehen haben, oft dieser ganze philosophische Rattenschwanz.
Während man die Frage „War ich ehrlich?“ sehr einfach und oft sehr präzise und differenziert beantworten kann.

Ausserdem ist die Ehrlichkeits-Frage zielführender, denn anstatt zu versuchen andere über die eigene Wahrheit belehren zu wollen, lehrt man sich selbst sehr viel mehr mit dieser Frage.

Aber natürlich ist es die „unangenehmere“ Frage. Denn man konfrontiert sich mit seinen Problemen und das ist immer der schwierigere Weg. Aber eben der lehrreiche.

Was willst du also?

Die „Wahrheit“ hören? Oder doch lieber eine ehrliche Antwort?
 

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6 Comments

  1. Mein Standpunkt:

    ehrlich: von Ehre, Wertschätzung
    … ist ankonditioniertes Verhalten, Mensch als gesellschaftliche Ware bestätigt durch “Ehrlichkeit” seinen Wert, seinen Preis

    MEINUNG im Kontext zur Gesellschaft (dreht sich wie eine Fahne im Wind)

    es ist wahr, was ich sage: Wahrheit, die Summe der mir zur Verfügung stehenden Informationen, verarbeitet mit Verstand, “Geist”, Gefühlen, im zielgerichteten Erkenntnisprozess

    individueller menschlicher STANDPUNKT (wird erst durch entscheidende neue Informationen oder eine neue Zielsetzung aufgegeben)

    Liebe Grüße aus der magischen Stadt (Dresden)

    • The CREAtor sagt:

      Ja von rein etymologischer Sicht magst du recht haben, aber mir geht es um etwas viel pragmatischeres. Jeder weiss, wann er ehrlich ist, im Sinne von das ausspricht, was man wirklich fühlt und denkt.

      Aber solche Ansichtspunkte kann man ad absurdum diskutieren, weil jeder seine eigene Realität hat ^^.

      Grüsschen

  2. Sachlich, praxisbezogen, genau darum ging es mir.
    Wörter werden derzeit völlig sinnentfremdet genutzt, extrem oft in ihr Gegenteil verkehrt.

    Grund ist das Spiel der Idiotie der Staatsbürger. Es muss um jeden Preis aufrecht erhalten werden. (Grundlage des Spiels, die Exponentialfunktion des Zinseszins ist seit spätestens 2008 pulverisiert, Explosion der Geldmenge ins Unendliche)
    … keiner weiß, was ehrlich wirklich bedeutet, (oder Luzifer, Satan, Fundamentalismus, Fanatismus, Demokratie, …)

    Damit ein Spiel Sinn macht, gibt es Spielregeln, Definitionen, welche Grundlagen der eigenen “Realität” sein müssen. Sonst ist diese eine Illusion in der Illusion (Realität) und das Spiel kollabiert! So im Hier und Jetzt!

    Liebe Grüße aus der magischen Stadt.

    PS: Die Jagt nach Geld war “Gestern”, wer das nicht versteht, wird morgen sein “Selbst” vergebens suchen!

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