Blog - (Un-)Erlöste Emotionen
Blog Wahrheit vs. Ehrlichkeit
Wahrheit vs. Ehrlichkeit
12. April 2019
Blog Selbstwert und Mehrwert
Selbstwert und Mehrwert
1. Mai 2019
Blog Erlöste Emotionen
 

(Un-)Erlöste Emotionen



Wenn wir selbst noch Kinder sind, dann können wir unsere Emotionen noch nicht steuern. Hinzu kommt auch noch, dass wir diesen sogar hemmungslos freien Lauf lassen. Da kann die Oma im gegenüberliegenden Abteil noch so sehr schreiende Kinder hassen, daran wird sich nichts ändern.

Genau dazu brauchen wir die ersten Jahre, um den "richtigen" Umgang mit unseren Emotionen zu lernen.

Was ist denn nun der "richtige Umgang"?

Man wäre zuerst einmal in der Lage zu unterscheiden zwischen Basis-Emotion, "erlöster" und "unerlöster" Emotion. Und dann wird man sich im besten Falle immer mehr der erlösten Variante nähern können, bzw. auch mit den beiden anderen Umgangs-Strategien entwickelt haben.

Wenn man hier ein kurzes Muster anführen will, welches sich aus gewissen Autoren erschliesst, dann könnte das so aussehen:

1. Basis-Emotion
2. «unerlöste» Emotion
3. «erlöste» Emotion

(Nach der Basis-Emotion kann eines der beiden nachfolgen)

Diese Aufteilung stammt im Grunde von Ruediger Dahlke, auch wenn er sie nie exakt nach diesem Muster festgehalten hat, meines Wissens. Er ist ein ganzheitlicher Arzt und Psychologe/-therapeut mit langjähriger Erfahrung und verbindet seine Erkenntnisse auch immer wieder spartenübergreifend mit Philosophie und anderen Themengebieten.
(siehe z.B. «Die Lebensprinzipien» oder «Krankheit als Symbol»)

Wenn wir nun das Modell der 7 Grundemotionen, welches von der heutigen Anthropologie verwendet wird, als Grundlage benutzen wollen, dann wären das folgende Emotionen:

• Wut
• Angst
• Ekel
• Trauer
• Überraschung
• Freude
• Verachtung

(in beliebiger Reihenfolge)

Meiner Meinung nach sind dies jedoch teilweise nicht die präzisen Basis-Emotionen, die sich als erster Impuls zeigen. Man kann das nun als Haarspalterei bezeichnen, jedoch erlebe ich die einen selbst als nicht präzise genug für mein Empfinden. Ihr werdet dann bei der Aufstellung weiter unten sehen, um welche es sich handelt.
 
 
 
 
Denn eine Basis-Emotion ist meiner Meinung nach ungerichtet und kommt vor der "entscheidenden Instanz". Zuerst kommt die Basis-Emotion, durch einen gewissen Auslöser und dann kommt direkt danach die Frage: Was ist das Ziel?

Wenn ich z.B. wütend auf jemanden bin, weil dieser mich sauer gemacht hat, dann kam zuerst die Aggression und wurde danach in Form von Wut auf diese Person gerichtet. Natürlich habe ich das Ziel dabei mit meinem Bewusstsein gewählt. Wenn diese Projektion (nach aussen) wegfällt, dann bleibt die reine Emotion übrig.

Im Schauspiel kann man sich sehr gut darin üben die Unterschiede zu erspüren und zu entdecken.

Das ist, wie wenn man eine Rakete anschaut. Der reine Antrieb der Rakete wäre dabei die Aggression – die Basis-Emotion -, während die Steuerungsprogramme und –mechanismen das Bewusstsein wären, welches die Rakete ins Ziel lenkt und damit eine Folge(-emotion) auslöst. Wenn der Antrieb ohne Steuerung zündet, dann fliegt die Rakete einfach so lange umher, bis der Treibstoff alle ist oder bis sie irgendwo reindonnert.

Sie wird also entweder zerstören oder befördern.

Das heisst: Wir entscheiden, ob die Rakete zerstört («unerlöste Emotion») oder (be-)fördert («erlöste» Emotion).

Eine erlöste Emotion ist also immer in einer Form nützlich, während eine unerlöste Emotion überflüssig ist oder im besten Falle eine Entwicklungs-Chance darstellt, ein Umweg ist.
 
 
 
 
Lass uns das nun mal in einer Tabelle ansehen in Bezug auf die sieben Basis-Emotionen und deren Formen:
 
 
(Es gäbe vielleicht auch noch präzisere Benennungen der Basis-Emotionen, aber grundsätzlich sollen sie nur das Prinzip veranschaulichen.)


Beobachtet euch dabei, wenn ihr das lest. Ihr werdet vielleicht sagen, dass diese Basis-Emotionen sehr wohl geladen sind. Dass Agression z.B. negativ sei.

Hier möchte ich darauf appellieren, dass dies höchstwahrscheinlich nur der Fall ist, weil wir so geprägt wurden.

«Sei doch nicht gleich so aggressiv!», «Du hast ein Aggressionsproblem!» und dergleichen könnte in einem anklingen. Das sind klar negativ gepräge Bilder. Aber nur weil wir die Aggression in unserem Sprachgebrauch und in unserer Kultur aktiv negativ belastet haben, heisst das nicht, dass sie auch wirklich negativ sind.

Wenn wir etwas an-greifen, heisst das eigentlich wortwörtlich, dass wir etwas anpacken. Und voilà, schon hat man ein völlig anderes Bild im Kopf. Interessant, nicht?

Wir sehen, wir müssen also vorsichtig sein, mit unseren eigenen inneren Bildern, Projektionen und Konditionierungen.

Aggressiv zu sein, kann also durchaus etwas Positives sein, wenn man diese Aggressionen nützlich zu verwenden weiss.
 
 
 
 
 
 
Wenn ich also Aggression als Basis-Emotion in mir aufsteigen spüre, habe ich die Wahl zwischen einer mutigen Entscheidung, die mich selbst herausfordert und vielleicht sogar alle weiter bringt oder ich kann mich dazu entschliessen, die vorliegende Situation zu bekämpfen und möglichst zu vernichten.

Da jedoch alles, was wir erleben immer auch etwas mit uns selbst zu tun hat, wird die gewaltsame Verdrängung immer dazu führen, dass die Situation und das dahinterliegende Thema in den Schatten, also ins Unterbewusstsein rutscht. Wo es bei der nächsten Gelegenheit wieder hervorbricht, bis man das Thema bei sich selbst mutig bearbeitet und die erlöste Seite dahinter gefunden hat, damit sich das Thema wieder in die Balance, ins Gleichgewicht bewegen kann.

Man hat also immer drei Möglichkeiten:

1. Die Basis-Emotion möglichst unverfälscht zuzulassen und ohne Projektion nach Aussen oder Innen auszuleben,
2. Sie auf eine erlöste, nützliche Weise ins Aussen oder Innen steuern, damit sie etwas zu (be-)fördern vermag,
3. Oder die Emotion in einem unbewussten Rundumschlag, blind und unerlöst herauszufeuern.

Ersteres wird wohl am schwierigsten sein und bedarf einiger Übung, welche man wohlgemerkt eher rückwärts beginnen muss. Nur durch den Fehler, weiss man, wie es nicht geht und kann sich bewusst dagegen entscheiden.

Wie schon Edison nach seiner erfolgreichen Erfindung der Glühbirne sagte:
«Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühbirne baut.»


Lasst uns also ruhig ein wenig «aggressiver» sein.

Silvan
 

Download als PDF
Bitte schau zu deiner eigenen Sicherheit die Urheberrechte durch!

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: