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Selbstwert und Mehrwert


Von Zeit zu Zeit wird es stürmisch in meinem Kopf, wenn ich zuviele Gedanken und Ideen auf einmal habe. Dann überlappen sich neue Ideale mit Altlasten und intellektuelle Konzepte mit universellen Wahrheiten. Oft ist es nicht einfach diese auseinander zu halten und zu selektieren, was nun "wertvoll" ist und was nicht.

Es gibt eigentlich kein "gut" und "schlecht". Das ist ein moralisches Gedankenkonstrukt, welches wir uns selbst erschaffen. Vieles übernehmen wir von unserer Kultur. Gewisse Feinheiten ergänzen wir selbst. Trotzdem müssen wir uns auseinandersetzen mit dem ganzen "Gedankenmüll", den wir produzieren.

Hier möchte ich aber über zwei weitere meiner intellekuellen Konzepte sprechen, welche in ihrer Wurzel auf einer universellen Wahrheit beruhen.

Diese "Wahrheit", die ich hier anspreche, ist wohl für alle sehr nah und verständlich. Es handelt sich um das Gesetz der Polaritäten. Dieses Gesetz ist sowohl für den Philosophen, wie auch für den Physiker eine Wahrheit und beide beziehen sich jeher auf dieses Prinzip. Aber das soll nur am Rande Erwähnung finden und den/die Leser/in auffordern, selbst nachzuforschen bei entsprechendem Interesse.

Die Zweiheit (Polarität) in meinem Beispiel besteht aus Selbstwert und Mehrwert.

Wie definiert man diese beiden?
Nun, eigentlich können sich die meisten etwas darunter vorstellen. Trotzdem möchte ich noch meine Sicht darauf einbringen.

Der Selbstwert ist schlicht der Wert, den wir uns selbst zuschreiben. Man spricht dann weiter von Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstachtung usw. Das Ganze hat viele Gesichter. Humanisten würden nun vielleicht aufschreien und sagen: "Jeder Mensch hat einen Wert von Geburt an. Den muss man sich nicht schaffen! Alle Menschen sind gleich geschaffen!" Da stimme ich grundsätzlich überein. Was aber solche Konzepte oft vergessen oder sogar falsch interpretieren, ist, dass jeder Mensch zwar einen Wert hat von Geburt an, der natürlich gleich wichtig ist, aber nicht gleich ist. Das heisst: Nicht jeder Mensch ist ein geborener Banker oder ein geborener Priester. Jede Aufgabe hat einen wichtigen Wert, aber nicht jede Aufgabe ist gleich.

Und da verbirgt sich meiner Meinung nach das Problem. Keiner sagt uns bei unserer Geburt oder realistischerweise in unserer Kindheit, wozu wir geboren wurden. Denn die anderen wissen es ja nicht. Jeder weiss mittlerweile im Zeitalter der Zitat-Inflation, dass jeder seinen Weg selbst finden muss. Das heisst also auch, dass ich mich von selbst gegebenem Wert zu selbst gegebenem Wert hangeln muss, bis ich das gefunden habe, was sich durch und durch stimmig und richtig anfühlt.
 
Hier möchte ich anfügen, dass es im Moment so schwierig, wie noch nie zu sein scheint, das zu finden, was man ist. Der Druck das herauszufinden gesellt sich zum Leistungsdruck und kann schnell missverstanden werden. Jeder will etwas wert sein für das, was er ist. Man sucht krampfhaft Methoden und macht Reisen in alle Himmelsrichtungen, um endlich herauszufinden, wer man ist! Oder man macht einfach mal blindlings, was für andere zu funktionieren scheint und macht sich selbständig. Eine eigene Firma, Yoga-Lehrer, Webdesign, denn wenn ich eine eigene Firma habe, dann hat das doch mehr mit mir selbst zu tun, als wenn ich angestellt bin, oder? Nicht zwingend. Hier bahnen sich scheinbar noch einige Trugschlüsse und Stolpersteine an für unsere und die kommende Generation. Was heisst es sich selbst gefunden zu haben? Diesen Selbstwert bestimmt zu haben? Wir kommen darauf zurück...
 
 
Es wird also stetig an der eigenen Identität gefeilt und gehobelt. Und somit wandelt sich der Selbstwert wohl mehrmals im Leben. Denn ich muss mir diesen selbst "basteln". Was hat er für eine Form? Woraus ist er gemacht? Was bezweckt er?

Das ist das Stichwort! Was bezweckt der Selbstwert? Denn wenn etwas mir nichts bringt, warum sollte ich es denn tun? Behalte das im Hinterkopf für später.


Und da kommen wir auch gleich zum Mehrwert. Denn organischerweise wird irgendwann ziemlich sicher aus dem Selbstwert ein Mehrwert entstehen für andere. Entweder dadurch, dass man eine gewisse Vorbildfunktion bekommt oder weil man durch das, was man im Leben tut, direkt einen Mehrwert schafft für andere Menschen, Tiere, Pflanzen usw.
Der Mehrwert ist also das, wodurch für andere ebenfalls etwas wertvolles entsteht.
 
Eigentlich kann man jedes Wort mit "Selbst-" vorne dran auch für etwas ausserhalb sich selbst verwenden. Dann gäbe es Fremd-Vertrauen statt Selbst-Vertrauen oder Fremdbewusstsein usw. Wäre doch mal interessant solche Begriffe zu prägen und zu benutzen. Da kann man sich auch noch Gedanken dazu machen, wie die Fülle von "Selbst"-Begriffen mit der gesellschaftlichen Egozentrik zusammenhängen. Denn offensichtlich werden auch diese Werte nicht allzu selten falsch verstanden oder zum eigenen Vorteil "umgedeutet". Ein gesunder "Ego-Detektor" bei sich selbst und anderen ist immer ganz lehrreich und zeigt einem, warum es in diesem Moment um einen selbst geht (gehen muss). Ist es für einen Lernprozess oder einfach weil man etwas haben muss? Wobei ich ganz bewusst auf einen Zwang weisen möchte. Denn etwas anderes als ein Zwang ist das Ego eigentlich nicht. Ein Überlebens-Zwang, der durchaus seine Nutzen hat, aber sich schnell verselbständigt und zum Egozentriker macht. Der Grat ist schmal.
 
 
Die Frage ist nun: Was war zuerst da? Der Selbstwert oder der Mehrwert? Was ist wichtiger?

Die Buddhisten und viele andere würden wohl sagen, dass der Mehrwert das wichtigere sei. Compassion, selbstlose Liebe, Empathie, Dienen. Denn auch wenn man sonst ein unglücklicher Mensch war, dann hat man immerhin etwas für andere getan. Das ist ein unvollkommenes Beispiel, ich weiss. Grundsätzlich bin ich ähnlicher Meinung, da ich ebenfalls erlebe, dass man ganz viel Erfüllung erfahren kann, wenn man etwas Höherem, Anderem als sich selbst dient. Aber wenn dabei kein Gefühl von (Selbst-)Erfüllung aufkommt, dann dürfte es doch irgendwann zur Qual werden.

Dieser eigene Kompass von "Richtigkeit" hat also druchaus seine Wichtigkeit. Denn wie alles andere in unserer polaren Welt auch, geht es schlussendlich um eine Balance, um ein Zusammenspiel. Selbstwert und Mehrwert bedingen sich also gegenseitig. Natürlich kommt's mal vor, dass das eine oder andere überwiegt, doch die Zeichen werden immer deutlicher werden, wenn eines zu kippen droht.

Die einen mögen eine seichtere Balance, ohne viel Bewegung in den Waagschalen, andere mögen das Boot lieber direkt in den Sturm segeln, bis es fast kentert und dann das Ruder herum reissen in ruhiges Gewässer. So sind die Charakter unterschiedlich. Aber das eine wird nie ohne das andere sein können.

Um einmal mehr den Psychologen Franz Ruppert zu zitieren: "Jeder Mensch hat ein Symbiose- und ein Autonomiebedürfnis."
Und genau da betten sich Selbstwert (Autonomie) und Mehrwert (Symbiose) ein.


Ob der Weg also erst über das Dienen und den Mehrwert zum Selbstwert führt oder über die Selbstfindung und dem Selbstwert zum Mehrwert führt, ist irrelevant. Hauptsache man macht sich auf den Weg und verliert sich selbst und die mögliche eigene Gabe (an andere) nie aus den Augen. Wir haben ja schliesslich zwei Augen bekommen ;).

Wo führt dich dein Weg als nächstes hin?

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