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A "Man's World" ?


Vor ein paar Monaten, im Januar 2019, war wieder einmal die “Man’s World” in Zürich. Sozusagen eine Messe für Männer, “wo Mann noch Mann sein kann!”.

Natürlich sieht man dort, was zu erwarten ist: Autos, Whiskey, Zigarren, Bier, Grillzubehör, Fleischprodukte bis zu Putzhilfen und Wäscheservice, denn ein Mann sollte sich nicht um solchen Weiberkram kümmern müssen, oder?! Tattoos, Fitness-Geräte und Zocken. So muss das sein!

Ihr merkt, ich buttere hier ein wenig Sarkasmus drauf. Aber warum mache ich das?

Das hat diverse Gründe. Auch wenn wir mittlerweile in einem Zeitalter der weiblichen Emanzipation leben und Väter auch wahrscheinlich schon lieber Väter sind als früher und sich ziemlich sicher auch schon ein bisschen mehr Gedanken machen im Allgemeinen, wie eine würdevolle Erziehung aussehen sollte, scheint das grundsätzliche Männerbild doch immernoch sehr einseitig zu sein.

Was ist mit den vielen Pflegern? Den Kleinkindererziehern? Den Makeup-Artists? Den Tänzern und anderen Künstlern? Den Homosexuellen?

Hier werden nun einige, wahrscheinlich vorallem Männer, sich an den Kopf fassen und unverständnisvoll grummeln. Ich kann euch verstehen. Natürlich gibt es im männlichen Genom gewisse “Veranlagungen” zu einem technischen, logischen Verständnis und einer Tendenz zum Handwerklichen.

Was wir aber nicht vergessen dürfen, ist, dass wir beide Chromosomen in uns haben. Nicht nur das männliche Y-Chromosom, sondern auch das weibliche X-Chromosom, wenn wir das mal von der wissenschaftliche Sparte belichten wollen. Ebenso hat jeder Mensch beide Geschlechtshormone in sich: das männliche Testosteron und das weibliche Östrogen. Das mal ganz kurz erwähnt.

Wenn man nun auch noch Philosophie und Psychologie hinzuzieht, trällern die genau das gleiche Liedchen. Yin und Yang hat wohl jeder schon mal gehört, was besagt, dass alles eine weibliche Yin-Seite und eine männliche Yang-Seite (bzw. Energie) besitzt...

“Jaaa ok, schon klar! Was willst du damit sagen?!”

Wo zum Henker ist der "weibliche Aspekt" an der “Man’s World”?!

Wo ist die Vater-Ecke? Wo der Windelwechselkurs? Wo ist das “weinen für Männer”? Wo der Workshop des “emotionalen Mannes”? Wo ist das “ABC der Beziehungskommunikation”?
 
Was sagen die Amis dazu?
 
 
 
Natürlich kann man nun maulen, dass es das scheinbar schon genug gebe und man auch mal einfach die “männlichen Aspekte” geniessen und ausleben will. Hey, ich bin voll bei euch! Ich liebe es auch zwischendurch sich mal wieder unter Männer zu messen und Holz zu hacken und was man sonst so alles “macht als Mann”. Ich finde, das hat alles Platz!

Die Frage stellt sich mir einfach: Was wollen wir nachhaltig für ein Bild eines Mannes zeichnen und prägen?

Soll es mehrheitlich der kämpfende und handwerkende Mann sein und bleiben? Oder darf es doch schon 50:50 auch ebenso viele weibliche Aspekte im Männerbild haben?

Oder andere Frage: Wenn du an Männer denkst, die man so in den Medien und in Filmen oder in sonstigen Beiträgen sieht rund um die Uhr? Wie oft siehst du einen Mann, der sich auch mal von seiner “weiblichen Seite” zeigt, auch ohne gleich schwul sein zu müssen?

Geht’s dir nicht vielmehr auch eher so wie mir, dass Männer fast immer in Anzug oder sonstiger “Männer-Kleidung” “Männer-Sachen” machen? Eisen stemmen, mit Frauen flirten, den kühlen Macho raushängen.

Ich zumindest sehe kaum Bilder und Beiträge oder dergleichen, wo Männer sensibel oder verletzlich gezeigt werden. Du schon?

Wenn man von dem ausgeht, was uns die Psychologie sagt, dass wir unterbewusst ständig geprägt werden von dem, was uns tagtäglich gezeigt und erzählt wird, dann finde ich, dass man sich durchaus zumindest mal bewusst machen sollte, ob unser Männerbild nicht doch in Richtung eines 50:50 weiblich/männlich rücken dürfte.

Unsere kommende Generation dürfte wohl langsam ein Recht haben, darüber aufgeklärt zu werden, wie der Mensch wirklich beschaffen ist und hier kann von Wissenschaft, Psychologie und Philosophie doch mehr über diese Realität miteinbezogen und vermittelt werden.

Der Psychologe Franz Ruppert sagt:
“Jeder Mensch hat ein Symbiose- und ein Autonomiebedürfnis.”

Natürlich nicht jeder in gleichem Ausmass, aber JEDER Mensch hat diese. Symbiose heisst, sich wirklich auf tiefster Ebene mit jemandem verbunden zu fühlen. Zu Fühlen. Und wirklich verbunden fühlt man sich nicht nachhaltig mit Oberflächlichkeiten, sondern mit einer Seele.
Die Amis über Verletzlichkeit
 
 
 
Das Fühlen ist eine eher weibliche Eigenschaft, darüber sind wir uns wohl alle einig.

Wenn du ein Mann bist, möchte ich dich fragen: Wann wurdest du das letzte Mal gebeten mal etwas einfach nur zu fühlen? Eine Atmosphäre im Raum. Der Wind im Gesicht. Die Kühle auf der Haut. Eine feine, simple Berührung. Einen Blick. Was auch immer. Wahrscheinlich noch selten oder nie, stimmt’s?

Nun könnte man natürlich sagen, dass dies total banale Sachen sind. Aber damit fängt es an!
Und wenn dies nur schon in der Schule einmal pro Woche als Einleitung zum Unterricht gemacht würde, ich wäre überzeugt, dass die Kinder und vorallem die Jungen dann anfangen würden, die Welt feiner und vielleicht sogar mit einer weiteren Dimension zu sehen.

Man muss einen Mann nicht zu einer Frau erziehen. Auf keinen Fall. Aber man sollte beide Seiten kennen und mal erleben bzw. erlebt haben. Denn dies schafft ein Verständnis für seine eigenen weiblichen Anteile und für den Menschen als ganzheitliches Wesen beschaffen aus beiden Seiten.

Und wie gesagt, ich bin sicher, dass man dazu nicht plötzlich den Jungen Autos verbieten und Puppen hinstellen muss. Es reicht, wenn man dem Kind beides erklärt, zeigt und es dann ganz natürlich selbst entscheiden lässt, was es von beiden Seiten für sich integrieren will.

Dann gibt es vielleicht mal einen 60:40 mehr männlichen Jungen oder mal einen 55:45 mehr weiblichen Jungen oder aber vielleicht auch mal einen 70:30 mehr weiblichen Jungen. Und das heisst nicht im Geringsten, dass dieser dann schwul wird! Ich kenne sehr viele äusserst sensible Männer, die hetero sind.

Vielleicht kommt das ja noch, dass es in der nächsten “Man’s World” mal doch einen “Windeln-Wechseln-Kurs” gibt oder einen “How-to-talk-emotional”-Kurs. Auch wenn’s vielleicht am Anfang nur einer ist von 50 Ausstellern. Wäre doch immerhin ein Anfang, oder?

Männerrunden, in welchen immer mehr auch auf Emotionales eingegangen wird, spriessen allmählich auf der ganzen Welt aus dem Boden. Zum Glück! Eine echte Männerwange kann doch auch mal ein Tränchen aushalten, oder? ;-)

Ich jedenfalls arbeite weiter an diesen Themen und hoffe auch bald schon Ergebnisse liefern zu können. Vorallem mit der Jugend!


Ein herzliches XO-Küsschen

Silvan
 

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2 Comments

  1. Isa sagt:

    Wow! Das sind berührende Worte. Schön gesagt. Selbst wenn ich nicht der Spezies Mann angehöre, befasse ich mich seit Längerem mit diesem Thema. Du triffst es auf den Punkt: es sollte Beides Platz haben, das Sowohl-als-auch, das Männliche und das Weibliche. Was genau sollen wir unseren Jungs sagen, was heute ein Mann zu sein bedeutet? Tolle Literatur zum Thema: Lewis Howes, Die Masken der Männer’. Viel Spass beim Lesen.

    • The CREAtor sagt:

      Hoi Isa, vielen Dank für dein Feedback!
      Es ist tatsächlich noch ein grosses Thema, welches wohl noch eine Weile brauchen wird, bis wir das aufgearbeitet haben. Aber der Same ist auf jeden Fall schon gepflanzt. Das merk ich immer mehr!
      Vielen Dank für die Empfehlung. Da les ich gerne mal rein, wenn ich Zeit finde. 🙂
      Auch gut: Bücher von Steve Biddulph

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